„Die Technik krankt an vielen Stellen“

 

Ramstein-Miesenbach: Das Freizeitbad muss in den nächsten Jahren umfassend saniert werden – VG hofft auf Unterstützung



Eine gepflegte Bäderlandschaft, tropische Temperaturen, moderate Preise: Das Freizeitbad „Azur“ zieht weit über die Grenzen der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach Gäste an. Doch was die VG als kommunalen Träger des kreisweit einzigen, kombinierten Hallen- und Freibads einerseits freut, macht ihr auf der anderen Seite zu schaffen: Denn die Kosten für die Unterhaltung der Anlage bleiben bislang allein an ihr hängen. Dienstag, 9.55 Uhr, in Ramstein-Miesenbach. Auf dem Parkplatz des Freizeitbads herrscht reges Treiben. Etliche Rentner schlendern zum noch geschlossenen Haupteingang. Es wird geplaudert, gelacht, man kennt sich. Eine Gruppe von jungen Müttern mit ihren Kleinkindern gesellt sich zu den grauhaarigen Stammgästen. „Die einen kommen zum Babyschwimmen, die Rentner zur Wassergymnastik“, erläutert Badangestellte Diana Struppel. „Wenn wir unsere Kurse haben, wird es oft richtig eng in den Becken.“Voll ist es in der Regel bereits am frühen Morgen, lange bevor das Bad offiziell seine Pforten öffnet: Dann findet der Schwimmunterricht der Schulen statt. Kinder aus der VG Ramstein und der VG Landstuhl, mit der seit der Schließung des Landstuhler Allwetterbads eine Kooperationsvereinbarung besteht, lernen in den Becken die ersten Schwimmzüge. „Zwischen 6000 und 7000 Schüler nutzen unser Bad im Jahr“, berichtet Erster Beigeordneter Ralf Hechler (CDU), der – um Geld zu sparen – auch als Geschäftsführer des Bads fungiert.

Denn das „Azur“ ist nicht auf Rosen gebettet: Es fährt wie viele kommunale Einrichtungen alljährlich ein hohes Defizit ein – trotz 200.000 Badegästen pro Jahr. Doch die roten Zahlen konnten durch eine Preiserhöhung zum 1. Februar und Investitionen im Energiebereich wenigstens gesenkt werden: „Nur“ 685.000 Euro Minus sind es in diesem Jahr, freut sich Hechler über den Tiefstand. Früher lag der Fehlbetrag um einiges höher. „Ein guter Schritt war der Bau unseres Blockheizkraftwerks. Damit produzieren wir Strom, und die Abwärme deckt unseren Wärmebedarf.“ Die im Juni 2012 installierte Anlage spare 100.000 Euro pro Jahr ein und werde sich bis Ende des Jahres – und somit deutlich schneller als gedacht – amortisiert haben.

Frieren muss hier auf jeden Fall niemand: Mollige 32 Grad Celsius machen das Planschen unterm Hallendach zum unbeschwerten Vergnügen. Das Wasser, das aus einer eigenen Quelle stammt, hat mit 28,5 Grad fast Badewannentemperatur und ist doch der einen oder anderen Seniorin an diesem Morgen nicht warm genug.

Wer dagegen wie die 23 Beschäftigten und drei Auszubildenden in diesem tropischen Umfeld arbeiten muss, gerät schnell ins Schwitzen, wie Betriebstechniker Heiko Lenhardt beim Gang durch die mit Technik restlos voll gestopften, verwinkelten Katakomben verrät. „Früher war hier mal mehr Platz. Doch im Laufe der Umbauten kamen immer wieder neue Anlagen dazu.“ Was vor gut zwei Jahrzehnten mal innovativ war, ist mittlerweile in die Jahre gekommen. „Die Ölheizung aus den 1990er Jahren, die das Blockheizkraftwerk an kalten Tagen unterstützt, ist beispielsweise völlig überdimensioniert“, sagt Lehnhardt. Und Hechler ergänzt: „Die Technik krankt an verschiedenen Stellen. Die Rutsche gehört erneuert. Und ob das Skelett des Gebäudes in Ordnung ist, muss man auch erst mal sehen. Eins ist klar: Um eine Generalsanierung kommen wir in den nächsten Jahren nicht herum.“

2015/16 soll es soweit sein, allerspätestens 2018. Laut Hechler wird das Ganze drei bis vier Millionen Euro kosten, „wenn wir uns nur auf die Technik und einige kleine optische Verbesserungen beschränken“. Doch eigentlich – so findet er – wäre es sinnvoll, das Bad im Zuge der Erneuerung auch insgesamt attraktiver zu machen. Eine Idee ist, das Schwimmerbecken im Freien vom Becken neben der Rutsche abzutrennen und ebenfalls „einzuhausen“. „Denn 70 bis 75 Prozent unserer Besucher kommen wegen des Hallenbads“, sagt Hechler. „Gerade in verregneten, kühlen Sommern ist das ein echter Pluspunkt.“

Die Crux sind jedoch die Kosten: Die Schätzungen belaufen sich, je nach Umfang der Arbeiten, auf sechs bis acht Millionen Euro, so der Geschäftsführer, der sich um einen guten Platz auf der Prioritätenliste des Landkreises für Bädersanierungen bemüht.

Doch es sind nicht nur diese ganz großen Investitionen, die der Verbandsgemeindespitze Sorgen bereiten, auch die kleineren haben es in sich: 110.000 Euro sind alljährlich allein für Reparaturen im (nicht ausgeglichenen) Haushalt eingestellt, gibt Hechler ein Beispiel. „Und wenn wir die Preise wirtschaftlich gestalten wollten, müssten wir – wie private Bäder – für die Dreistundenkarte 8,50 Euro verlangen.“ Derzeit kostet sie 5 Euro und gilt ab Mai den ganzen Tag.

Um bezahlbare Preise und ein attraktives Angebot für Jung und Alt auf Dauer vorhalten zu können, erhofft er sich – wie Bürgermeister Klaus Layes (CDU) – „Hilfe von der Solidargemeinschaft“. „Viele unserer Gäste kommen aus der Stadt oder aus anderen Verbandsgemeinden. Daher wäre es schön, wenn wir beispielsweise über einen Zweckverband des Kreises Unterstützung erhielten.“

Für die Idee, einen Teil der finanziellen Lasten auf die Schultern des Umlands zu verteilen, will der Beigeordnete demnächst im Sportausschuss des Landkreises und in den Kreistagsfraktionen werben, kündigt er an, das Thema auf die politische Tagesordnung setzen zu wollen. „Uns geht es darum, das Bad – das für alle im Kreis ein Stück Lebensqualität bedeutet – zu erhalten“, betont Ralf Hechler. „Ohne Hilfe droht ein Rückzug auf Raten. Und das kann niemand wollen.“ (oef)

Die Rheinpfalz Nr. 77 der Pfälzischen Volkszeitung vom Mittwoch den 03. April 2013