SOS- Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit

 


Praktikum für einen Tag: „Bademeister haben ein echtes Image-Problem”, findet Marktplatz regional-Mitarbeiterin Rebecca Blättner nach ihrem Schnuppertag im Freizeitbad. „Was der Badegast von ihrem Job mitbekommt, sieht nicht gerade spannend aus.” Ist es aber doch: Allein der Weg durchs Labyrinth der technischen Anlagen ist ein Abenteuer.

Von Rebecca Blättner

Ramstein-Miesenbach. Mein Praktikum im Freizeitbad Azur beginnt mit einer Begriffsklärung: Denn der Beruf, der umgangsprachlich „Bademeister” heißt, nennt sich offiziell Fachangestellter für Bäderbetriebe (FAB). Und diese „Fabs” machen viel mehr, als nur unspektakulär am Beckenrand zu stehen und aufzupassen, dass niemand ertrinkt.

Obwohl der Badebetrieb erst um 9 Uhr startet, fängt der Arbeitstag für meine Kollegen und mich bereits um sieben an. Denn bevor sich die Badegäste ins kühle Nass stürzen können, haben wir noch einiges zu tun. Bei der Besprechung im gläsernen Schwimmmeisterhäuschen verteilt Alexander Ort, an diesem Tag einziger Schwimmmeister und damit Leiter der Schicht, die Aufgaben für den Morgen. Unterstützt wird er dabei von drei Auszubildenden auf dem Weg zum Fachangestellten für Bäderbetriebe und zwei Rettungsschimmern, die dem Schwimmmeister bei seiner gemeinhin bekanntesten Aufgabe zur Seite stehen: der Beobachtung des Badegeschehens und der Hilfeleistung nach Badeunfällen - und an diesem Tag auch von mir.

Während die Azubis Sascha, Marvin und Raphael an den Whirlpool und das Babybecken abgeordnet werden und dort die Überlaufrinnen säubern, reinigen die Rettungsschwimmer Markus und Nina den Boden des Schwimmerbeckens mit einem großen Sauger. Nach einem Rundgang durch das Freibad mit Kontrolle von Becken, Liegewiesen und Spielplätzen auf Ordnung und Sauberkeit, nimmt Alexander Ort mich mit in den Keller.

In einem Labyrinth aus Rohren, Behältern, Pumpen und elektronischen Anzeigen überprüfen wir technische und chemische Parameter noch und nöcher: Heizgasverbrauch, Wasserverbrauch, Wasserdruck, Filterdifferenzdruck, Chlor- und pH-Werte. Rund eine Stunde vergeht mit Zähler ablesen, Filterreinigung und Wasserproben. Dann geht es zurück in die Schwimmhalle - ohne Führer hätte ich den Weg wohl nicht mehr gefunden.

„SOS - Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit; das ist unser Motto als Schwimmmeister. Auf diese drei Dinge gilt es zu achten”, sagt mir Alexander Ort, der dieses Motto schon seit fast 15 Jahren im Freizeitbad umsetzt. Wir laufen entlang der mit 2,75 Millionen Liter Wasser gefüllten Becken, kontrollieren die Sauberkeit, messen die Wassertemperaturen und achten darauf, dass beispielsweise an den Rutschen keine aufgerissenen Stellen sind, wo sich die Badegäste leicht schwer verletzen könnten.

Bevor das Bad öffnet, steht für die Azubis und in diesem Fall auch für mich noch etwas anderes auf dem Plan: Schwimmtraining. Schwimmmeister geben auch Schwimmkurse, also müssen sie selbst darüber im Bilde sein, wie es geht. Da ich viele Jahre in der DLRG und im Schwimmverein aktiv war, habe ich keine Scheu, mich in die Übungen zur Kraul- und Delfintechnik einzureihen.

Frisch geduscht zurück im Schwimmmeisterhäuschen sehe ich, dass die ersten Badegäste eingetroffen sind. Damit Unfallrisiken im Keim erstickt werden, muss ein Schwimmmeister die Aufmerksamkeit und Konzentration konstant hochhalten. In der warmen und etwas stickigen Luft in der Schwimmhalle ist das nicht der einfachste Job, wie ich an meiner schleichend aufkommenden Müdigkeit merke. „Wenn die Leute am Glaskasten vorbeilaufen, sehen sie uns meistens nur hier sitzen. So als würden wir nix tun. Aber der Verantwortung, die wir hier tragen, sind sich in diesem Moment nur die wenigsten bewusst”, beschreibt Rettungsschwimmer Markus das Dilemma. Mit ihm nehme ich im Laufe des Tages noch Schwimmabzeichen bei zwei jungen Mädchen ab.

Während wir im Hallenbad den Badebetrieb beobachten und Schwimmflügel, Kickboards, Tauchringe sowie Schwimmbrillen ausleihen, ist außen vor allem am Sprungbecken besondere Vorsicht geboten. Bei 18 Grad Lufttemperatur ist im Freibad jedoch heute nicht viel Betrieb. „Aber wenn das Freibad geöffnet ist, muss auch immer eine Aufsichtsperson draußen sein, um für die Sicherheit der Badegäste zu sorgen. Auch wenn nur ein einziger da ist”, erklärt mir Rettungsschwimmerin Nina.

Gerade als ich nach draußen gehe, versucht ein kleiner Junge mit Schwimmflügeln die Leiter zum Drei-Meter-Brett hinaufzusteigen. Zum Glück ist Rettungsschwimmer Markus sofort zur Stelle. Er ruft den Knirps zurück und bringt ihn in die Aufsicht seiner Mutter. Von weiteren Aufregungen bleiben die rund 600 Badegäste und Aufsichtspersonen bis zum frühen Nachmittag verschont. Dann endet der achtstündige Arbeitstag von mir und meinen Kollegen. Bis das Bad um 21 Uhr schließt, stellen sich die Männer und Frauen der zweiten Schicht in den Dienst von „SOS - Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit”.

(Marktplatz regional für die Rheinpfalz, erschienen am 27. Juli 2011)